Ein wirklich gutes Jahr (Pretty Good Year)
von Mary Borsellino, übersetzt von Cúthalion
1. Epilog
Westlich vom Mond...
Sie stritten sich nicht an diesem letzten Tag. Rosie hatte streiten wollen, aber sie wachte kalt und unglücklich auf; Frodo war schon aufgestanden und Sam schlief noch, eng zusammengerollt. Am nächsten Morgen würden sie zu früh aufbrechen, um sich richtig verabschieden zu können, deshalb war diese verbliebene Zeit alles, was zählte.
Sie bereitete all die Frühstücksgerichte zu, die sie je zusammen verspeist hatten, ein paar Eier, einige kleine Pfannkuchen und Speck auf frischem Brot. Sie küsste alle beide, als sie zum Tisch kamen, dann bat sie sie, auf Elanor aufzupassen, stürzte hinaus zu dem Baum beim Waschplatz und kämpfte mit den Tränen.
Sam versuchte, seine Hände mit allerlei seltsamen Verrichtungen zu beschäftigen, aber es gab nicht wirklich etwas zu tun, und der Himmel hing wie ein Gewicht über ihnen, schwer von Regen.
Als Frodo endlich glaubte, unter all den heftigen Gefühlen in seinem gemütlichen, kleinen Heim ersticken zu müssen, stahl er sich zu einem Spaziergang davon. Es war nass, kalt und windig, aber die Augen davor zu verschließen, dass sein geliebtes Auenland auch diese raue Seite hatte, wäre kaum gerecht gewesen.
Er wanderte gedankenverloren dicht am Fluss entlang, als er den ersten Schrei hörte. Das Wasser war schiefergrau und floss rasch dahin, völlig ungeeignet zum Schwimmen oder Bootfahren. Der Schrei kam wieder, und als Frodo sich näherte, sah er ein Kind. Es war bis zum Hals versunken und paddelte verzweifelt umher, wo der Fluss fast am breitesten war. Frodo rannte, so schnell er konnte, ans Ufer und sah sich nach einer Möglichkeit um, dichter heranzukommen. Ein halber, abgeschlagener Baum lag im schlammigen Flachwasser, fast vom Fluss überspült, aber ein paar Äste ragten noch aus der Strömung. Frodo hielt sich daran fest, während er ungeachtet der Kälte ins Wasser glitt und sich auf das Kind zu bewegte.
Es war Fastred. Seine schwere Kleidung zog ihn nach unten, während er darum kämpfte, sich über Wasser zu halten. Seine Zähne schlugen aufeinander und hackten jedes seiner Worte in Stücke.
Jacky
brachte er gurgelnd hervor, als Frodo ihn ans Ufer zurückbrachte. Jacky ist immer noch da unten. Wir waren im Boot und dann ist es umgekippt
Frodo hastete wieder zum Fluss hinunter, ein brennendes Stechen in der Seite. Er schnappte nach Luft und tauchte hinein, bevor er Zeit hatte, nochmal darüber nachzudenken.
Das Wasser war von den Stürmen aus winterlichen Gegenden ins Auenland gespült worden. Es hatte einen frostigen Biss, wie eine eisige Klinge, die bis auf seine Knochen drang. Frodo stieß sich mit den Beinen tiefer nach unten; seine Schwimmbewegungen waren von einer traumähnlichen, quälenden Langsamkeit. Alles um ihn her war grau und bitterkalt, finster und undurchsichtig, und für einen Moment schien es die leichteste Sache der Welt zu sein, einfach aufzugeben und sich treiben zu lassen. Mochte der Fluss all die verwirrenden Dinge regeln, mit denen Frodo sich an der Oberfläche nicht mehr zurechtfand.
Dann kam plötzlich auf dem Grund des Flusses das umgedrehte Boot in Sicht. Jackys Taille und seine Arme waren in die Schnur verwickelt, die er zum Fischen benutzt hatte. Frodo schlug sich sämtliche eingeflüsterten Versprechungen ewigen Vergessens aus dem Kopf und verdoppelte seine Schwimmstöße. Jackys Augen waren weit aufgerissen und voller Angst, die Sommersprossen wirkten inmitten der brüllenden Schwärze des Wassers wie dunkle Farbspritzer auf seiner weißen Haut. Er hatte so heftig darum gekämpft, sich zu befreien, dass die Windungen der Schnur, die ihn fesselte, unmöglich zu lösen waren. Ohne zu zögern, packte Frodo den Teil der Schnur, der den Jungen an dem ruinierten Ruderboot festhielt, nahm ihn zwischen die Zähne und biss die starken, schwarzen Fäden durch. Dabei erwischte er auch seine Zungenspitze und spürte heißes Kupfer in dem Geschmack nach kaltem Schlamm.
Frodo drehte sich, um zu sehen, ob Jackys Beine genügend frei waren, dass er selbst schwimmen konnte, aber die Augen des Jungen hatten sich halb geschlossen und Blasen stiegen von seinen blau verfärbten Lippen auf. Ohne sich um das Feuer in den eigenen Lungen zu kümmern, packte Frodo Jacky am Hemdkragen und stieß sich nach oben ab in dem Versuch, die Äste über sich zu erreichen. Der Sog war nicht so stark, wie er hätte sein können, und das war ein Glück. Denn Frodo war ganz sicher nicht imstande, mit mehr als einer sehr gelinden Strömung fertigzuwerden. Es war nur eine kleine Gnade, aber sie reichte aus, um ihn an die Oberfläche zu bringen.
Sobald er die beiden entdeckte, rannte Fastred zum Rand des Wassers und zappelte vor lauter Angst und Sorge von einem Fuß auf den anderen, während sich Frodo Stück für Stück die Äste entlang ans Ufer zurückkämpfte. Jackys Nase blutete, und ein wenig wässeriges Blut sickerte auch aus seinen Ohren. Er atmete nicht mehr.
Komm schon, Jacky, wach auf. sagte Frodo im selben Tonfall, mit dem er seine Vettern ausgescholten hatte, als er selbst noch ein Kind war. Er entfernte die Schnüre, so schnell er konnte und hinterließ dunkle Striemen überall auf der Haut von Jackys Armen und Beinen. Jack
Jack
komm schon, atme!
Jacky, Jacky! schluchzte Fastred. Frodo drehte Jacky auf die Seite, ohne sich darum zu kümmern, wie sein Kopf dabei hin- und herschlenkerte. Seine Haut war wächsern und triefend nass, das Haar voll kleiner Äste und Schmutz. Nach einer fürchterlichen Sekunde, die ihm vorkam wie eine ganze Ewigkeit, hustete Jacky und ein trüber Schwall Wasser schoss ihm aus dem Mund. Er rang gurgelnd nach Luft und seine Augen flogen auf, während er begann, den halben Fluss herauszuwürgen.
Jacky! kreischte Fastred und warf seinem Bruder einen Arm um den Hals; den anderen hielt er behutsam an seiner Seite. Frodo sank auf den Boden zurück, der ihm plötzlich wie die weichste Unterlage vorkam, auf der er je gelegen hatte. Weicher als ein Bett, weicher als jede Haut. Weich genug, um darauf einzuschlafen und nie wieder aufzuwachen.
Als er schließlich doch aufwachte, war er so fest in eine Decke gewickelt, dass er sich vorkam wie eine Raupe im Kokon, halb erstickt vor Wärme. Seine Haare waren noch feucht. Einen Augenblick lang war alles weich und friedevoll, eine vage Erinnerung an Regen und Wasser. Das Gurren von Elanor, die in ihrer Wiege lag, ließ ihn fast wieder in den Schlaf sinken. Dann kehrte die ganze Erinnerung zurück und Frodo setzte sich jäh auf.
Die Jungen
sind sie in Ordnung?
Sam und Rosie saßen beide an seinem Bett. Sie sahen höchst erleichtert darüber aus, dass er sich endlich bewegte.
Du hast sie gerettet, kein Zweifel. versicherte ihm Sam. Ihr Vater konnte sich kaum entscheiden, ob er sie verdreschen oder umarmen sollte, als ich sie nach Hause gebracht habe.
Frodo seufzte vor Erleichterung. Oh, dem Himmel sei Dank
also sind sie nicht verletzt? Jack hatte Blut in den Ohren.
Rosie nickte und biss sich auf die Unterlippe. Er hat sein Gehör verloren, anscheinend hat die Kraft des Flusses irgend etwas reißen lassen. Eines seiner Augen hat vielleicht auch etwas abgekriegt, das kann man jetzt noch nicht sagen. Und Fastred hat sich einen Arm gebrochen. Aber immerhin sind sie weg von dort und in Sicherheit.
Oh. sagte Frodo leise und sank in die Kissen, das Gesicht voller Erschütterung. Dann habe ich ihn also nicht schnell genug herausgezogen. So viele Dinge wird er jetzt nicht mehr tun können. Der halbe Spaß am Leben wird ihm entgehen.
Besser den halben als gar keinen. bemerkte Sam diplomatisch. Wenn du nicht vorbeigekommen wärst, dann hätte er nicht mal mehr das.
Elanors Brabbeln wurde zu verärgertem Quaken, ein sicherer Vorbote eines ihrer Schreianfälle. Rosie ging hinüber, hob die Kleine hoch und sang ein stimmloses Wiegenlied, während sie Elanor gegen ihre Hüfte hopsen ließ.
Frodo seufzte. Also, ich bin froh, dass sie gerettet sind
ich wünschte nur, ich hätte Jacks Gehör und sein Auge auch retten können. Seine Finger fanden einen losen Faden am Saum der Decke und fingen an, ihn aus dem Gewebe zu ziehen. Aber es gibt wohl keinen Grund, weiter darüber zu reden, oder?
Sam zuckte die Achseln. Wir haben sonst nichts zu tun. Zum Schlafengehen ist es noch zu früh am Tag und Hausarbeit ist auch keine zu erledigen.
Du hast mir mal gesagt, ich soll mich nicht an alten Dingen festhalten, und dass ich sie nie vergesse, wenn ich ständig darüber rede. Also versuche ich, es nicht zu tun.
Sam rieb sich mit einem ärgerlichen Lächeln die Stirn. Du weißt, ich würde nie ein Wort gegen dich sagen, Herr Frodo, aber du nimmst immer alles wörtlich, was du von anderen hörst, ohne darüber nachzudenken, was es bedeutet. Es macht keinen Sinn, immer die selben, ausgetretenen Pfade entlangzutrampeln, das ist wohl wahr. Aber es schadet sicher nicht, den Leuten davon zu erzählen, wie das Leben dich verwundet hat.
Wieso glaubst du eigentlich, Sam würde nie über seine Schwierigkeiten reden? Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so schnell Bauchschmerzen bekommt. warf Rosie von der anderen Seite des Zimmers ein, was ihr ein kleines Glucksen von Frodo eintrug. Komm jetzt, sag uns, was dich beschäftigt.
Frodo schwieg lange Zeit, dann sprach er leise, während seine Finger immer noch an den Fäden der Wolldecke herumzerrten. Als ich im Brandyschloss lebte, habe ich mir immer wieder gesagt, dass
wenn ich bei meinen Eltern gewesen wäre in der Nacht, als sie starben, dann hätte ich sie retten können. Aber heute, im Fluss
ich hab getan, was ich konnte. Die Stimme blieb ihm in der Kehle stecken und er sah zu Sam hoch, die Augen tränenglänzend, Ich hab getan was ich konnte, und es war nicht genug.
Oh
Sam berührte sanft Frodos Schulter, dann zog er ihn in eine liebevolle Umarmung. Es war mehr als genug, daran darfst du niemals zweifeln. Nichts geht immer vollkommen aus, aber dank deiner Hilfe ist es diesmal ziemlich dicht dran.
Die Tränen wurden zu einem Weinen und das Weinen zu heftigem Schluchzen. Frodos Hände zitterten wie die vom Wind abgerissenen Blätter draußen, während er sich an Sams Arme klammerte, das Gesicht an seiner Schulter.
Du hast dreimal mehr getan, als irgendwer von dir hätte verlangen können. Es ist vorbei und zu Ende. flüsterte Sam. Glaub es doch endlich.
Nein
nein
würgte Frodo hervor.
Doch. Sams Stimme war fest; er hielt Frodos Gesicht behutsam zwischen seinen Händen und sah ihm in die Augen. Verlass uns nicht, Frodo Beutlin. Wag es nicht, das zu tun. Ich bin durch die ganze Welt mit dir gegangen, und alles, was ich von dir verlange, ist, dass du nirgendwohin gehst. Die Zeit wird dich doch noch heilen.
Sam, ich
Sag nichts mehr. Rosie schüttelte den Kopf, kletterte auf das Bett zurück und legte Elanor in Frodos Arme. Es sei denn: ,Ja, meine Lieben, ich werde nirgendwohin gehen. Wir haben uns beinahe ein Loch in den Bauch geredet. Heim und Herd tragen mehr Heilkraft in sich als ein ganzes Leben in
Sie hielt lang genug inne, um ein paar Mal schnell zu blinzeln.
in Bruchtal.
Frodo. sagte Sam, dann schwieg er und küsste Frodos tränensalzige Lippen so leicht wie ein Hauch.
Jetzt begann Frodo wieder zu weinen. Rosie konnte sich nicht erinnern, dass sie jemals irgend jemanden so hatte weinen hören, schon gar nicht Frodo, der immer so weise und müde zu sein schien. Er weinte und umklammerte sie beide, als würde er ertrinken, wenn er sie losließ, und trotz der frühen Stunde fiel er in tiefen Schlaf, als alle Tränen aufgebraucht waren. Sam saß und wiegte ihn, und Rosie küsste die beiden sanft. Dann ging sie und packte die Taschen wieder aus, die die beiden auf die Reise hatten mitnehmen wollen.
Merry und Pippin kamen am späten Nachmittag.
Ich hatte nicht erwartet, dich hier zu finden; wir hörten, dass du fortgehst. sagte Pippin zu Frodo und wechselte einen verstohlenen Blick mit Rosie. Sie nickte einmal kurz und seine Lippen teilten sich zu einem breiten, glücklichen Lächeln. Wir sind eigentlich gekommen, um euch ein Stück zu begleiten.
Du bleibst hier, oder? vermutete Merry. Sam wusste plötzlich, was es war, das niemand offen aussprach, aber da es nun doch nicht passieren würde, gab es wohl auch keinen Grund mehr, darüber zu reden.
Und da dachte ich, ich hätte ein paar Wochen Ruhe. Rosie goss alle Teetassen wieder voll und hielt inne, um einen Kuss auf Frodos Kopf zu drücken. Obwohl ich zugeben muss, dass es mir nicht leid tut, die Gelegenheit verpasst zu haben. Dieser Ort würde mir ohne euch richtig einsam vorkommen.
Aufs Hierbleiben also! prostete Pippin.
Aufs Hierbleiben!
1423
Wenn das so weitergeht, dann kann Jung-Frodo eher sprechen als sie. sagte Fastred mit einem Seufzen; er hielt Elanor mit der sorgfältigen Ernsthaftigkeit aller Kinder, die ein Baby auf den Arm nehmen dürfen.
Sie ist erst zweieinhalb. Maie hat kein Wort gesagt, bevor sie vier war. bemerkte Sam diplomatisch, während sie im Schatten von einem der kräftigen Obstbäume faulenzten.
Ja, aber trotz all ihrer Stärken ist deine Schwester nicht gerade das hellste Licht im Kerzenleuchter. stichelte Rosie sanft. Ich glaube, Fastred hat recht, es wird Zeit, dass sie sprechen lernt.
1422 war genauso gut gewesen wie das Jahr davor, und dieses Jahr schien sich in die gleiche Richtung zu entwickeln. Es gab immer noch schlimme Tage, aber sie waren irgendwie leichter erträglich und nicht mehr so herzzerreißend. Sam vermutete, dass es daran lag, dass sie inzwischen eines wussten: Dem schlechten Tag würde ebenso sicher ein guter folgen.
Klein-Frodo war ein niedliches kleines Baby, mit warmen, haselnussbraunen Augen und stämmigen Beinchen, die unweigerlich jede Decke wegstrampelten. Es war beinahe ein Witz, dass er Frodo hieß, weil er Sam so sehr ähnelte.
Elanor liebte ihren kleinen Bruder, sie brabbelte stundenlang in ihrer fröhlichen Babysprache auf ihn ein. Sie war sehr klug und flink, kam überall hin und trat die Erde um die gelben Blumen platt, die Sam für sie gepflanzt hatte. Aber das Reden schien sie nicht zu interessieren und wenn jemand versuchte, ihr etwas beizubringen, dann kicherte sie und versteckte das Gesicht hinter den Händen.
Kannst du Fastred sagen? fragte Fastred. Sie zog die Nase kraus und kicherte. Was ist mit Mammi? Ich wette, du kannst Mammi sagen.
Elanor schüttelte den Kopf und grinste eigensinnig.
Papa. Sag Sam-Papa, Ellie. schmeichelte Rosie, aber das kleine Mädchen stellte sich stur. Frodo nahm sie aus Fastreds Armen, warf sie hoch in die Luft und fing sie liebevoll wieder auf.
Du wirst sprechen, wenn du so weit bist, und wenn du einmal damit angefangen hast, dann wirst du so pausenlos plappern, dass wir uns alle nach ein bisschen Stille sehnen. Du wirst Worte lieben, Ellyelle, aber es hat keine Eile. Du hast alle Zeit der Welt. Er warf sie noch einmal in die Luft, nicht so hoch wie das erste Mal.
Nein, Fo, hoch! Hoch! quietschte Elanor. Hoch!
1428
Sam-Papa weinte. Sam-Papa weinte fast nie, und wenn er es doch einmal tat, dann nicht so: laut schluchzend auf dem Bett, während Mammi ihn in den Armen wiegte. Onkel Frodo hatte alle Kleinen ins Studierzimmer geholt. Jung-Frodo saß mit der kleinen Rose auf dem Schoß am Fenster und schaute in den Garten hinaus, und Baby Merry machte nörgelnde Geräusche und haute seine Rassel gegen den Fußboden.
Ich bin nicht zu klein, um das zu verstehen! widersprach Elanor und zog ihren Onkel am Ärmel. Dabei war sie in Wirklichkeit doch noch etwas zu klein. Sie begriff nicht ganz, wieso Sam-Papas Ohm für immer und ewig fort sein sollte. So lange sie sich erinnern konnte, war nichts jemals verschwunden, ohne irgendwann wieder zurückzukommen. Nach dem Winter hatte es immer auch einen Sommer gegeben.
Schsch, Ellie, still. beruhigte Onkel Frodo und strich ihr über das Haar. Jedermann liebte es, Elanors Haar zu berühren, es war so weich und leuchtend. Dein Papa ist jetzt gerade ganz durcheinander, du wirst ihn doch nicht stören wollen, wenn deine Mutter es fast geschafft hat, dass er endlich schläft, oder? Er hat zwei Nächte durchgewacht, er muss sich ausruhen.
Letzte Woche war ich eklig zu Papas Ohm. Ich hab ihn einen dummen alten Ziegenbock genannt, weil er gemeint hat, ich soll mich nicht mit Jung-Frodo balgen. Ich wollte ,Entschuldigung sagen, wenn ich ihn das nächste Mal sehe, weil du immer sagst, ich soll versuchen, ihn besser zu verstehen. Wie soll ich ihm denn jetzt bloß sagen, dass es mir leid tut?
Dann fing sie an zu weinen; sie war nicht ganz sicher, warum, aber sie fühlte sich furchtbar, furchtbar unglücklich. Und sie wollte Sam-Papas Ohm wieder sehen und ihn an den Haaren ziehen und ihn um eine Geschichte anbetteln. Geht denn alles irgendwann weg? Werden die Bäume auch alle sterben? Und die Sterne?
Nein, Ellie, nein. Die Sterne sind immer noch da. Onkel Frodo küsste sie auf die Stirn und hielt sie fest, bis sie einschlief.
1430
Dieser Sommer war einer von der fruchtbaren Sorte, für Gemüse ebenso wie für Kinder. Estella und Juweline brachten im Abstand von einem Monat Kinder zur Welt, zwei Jungen, die Boromir und Faramir genannt wurden. Wenn die Leute dachten, dass das doch seltsame Namen für Hobbits wären, dann sagten sie es nicht; ohnehin wusste jeder, dass ein Kind mit Eltern wie diesen wohl kaum ganz gewöhnlich heißen würde.
Rosie wurde ebenfalls schwanger, aber sie verlor das Kind und beinahe auch ihr Leben, als sie beim Schwimmen einen Schwächeanfall erlitt. Frodo saß an ihrem Bett und dachte an seine Mutter und seinen Vater.
Um Rosie zu trösten und Frodo aus seinen Schuldgefühlen herauszuholen, ging Sam los und brachte eines der Kleinen aus dem Wurf mit, den der Hund von Rumpels gerade bekommen hatte. Es war ein Welpe, grau wie eine Sturmwolke, der durch sämtliche Zimmer tollte und sich schließlich entschlossen auf dem Boden zwischen Klein-Roses und Goldies Bett niederließ.
Wie heißt er denn, Papa? fragte Jung-Frodo.
Das müsst ihr entscheiden; aber ihr solltet nichts aussuchen, was ihr nicht auch quer über ein Feld brüllen könnt.
Ark! Ark! Arky!piepste Merry und wackelte ein paar Schritte auf den kleinen Hund zu, bevor er auf sein Hinterteil plumpste.
Ja, Bübchen, das ist ziemlich dicht dran an dem Geräusch, das er macht. stimmte Sam zu.
Also dann Arky. sagte Elanor glücklich. Arky Gärtner von Beutelsend.
1432
Als Elanor elf war, verbrachte sie ihre Freizeit am liebsten unten bei der Mühle und sah dem Mühlrad zu, wie es sich bewegte (Ihre Freizeit war allerdings ziemlich knapp bemessen, weil ihr neuer Bruder Hamfast ihre Eltern so auf Trab hielt, dass es oft an ihr war, sich um die anderen fünf Geschwister zu kümmern).
Sie hatte mehrere gute Freunde, und die meisten Leute konnten sie gut leiden. Ihre liebsten Spielgefährten waren Dora Straffgürtel, Gutwill Weißfuß und Fastred, der sich ein Vergnügen daraus machte, sie an die seltsamen Heldentaten ihrer Kindheit zu erinnern. Elanors schlimmste Feindin auf der ganzen Welt war Adaldrida Boffin. Immer, wenn Elanor in Hörweite war, sprach sie laut davon, wie hässlich große, helle Hobbits wären, und auch darüber, dass die Gärtners noch seltsameres Blut hätten als die Tuks.
Adaldrida mochte Fastred, und sie hasste Elanor, denn es schien, als hätte Fastred Augen für niemand anderen. Elanor hielt das für den größten Blödsinn, den sie je gehört hatte, denn Fastred war albern und laut, und er hatte ihr einmal einen Kuhfladen in die Haare geschmiert, als sie ihm seine rote Flöte geklaut hatte. Und wenn er Elanor wirklich mochte (was er sicherlich nicht tat), dann hieß das ja nicht, dass er Adaldrida nicht genauso mögen durfte (abgesehen davon, dass sie eine miese Stinkmorchel war, die es verdiente, in den Fluss zu fallen). Immerhin mochten Elanors Mama und Papa und Onkel Frodo ja auch mehr als eine Person auf einmal.
Sie hatte eine Verletzung an der Hand, weil ihr Onkel einen seiner Anfälle gehabt hatte. Pip hatte sich schrecklich gefürchtet und nach Ellyelle um Hilfe geschrien. Weil sie nicht wusste, was sie sonst tun sollte, hatte Elanor Frodo eine Vase auf den Kopf gehauen, die dabei zerbrach und ihr in die Handfläche schnitt.
Eine Woche lang fühlte sie sich schrecklich schuldig; Frodo wich ihrem Blick aus und Elanor hasste sich selbst. Aber dann kam er eines Tages und setzte sich an das Fußende von ihrem Bett. Er sagte, wie furchtbar leid es ihm täte, dass sie das hätte tun müssen, und dass sie und ihre Brüder und Schwestern niemals zögern sollten, sich selbst vor ihm zu schützen. Am Ende dieser Rede hatte er geweint, und Elanor war zu ihm hinübergekrabbelt und hatte ihre Arme um seinen Hals geworfen und ihn Fo genannt wie früher, als sie noch klein war.
Alle anderen nannten sie Elanor die Schöne, aber Onkel Frodo nannte sie Elanor die Tapfere.
1434
Sam wanderte unablässig auf und ab, weil er nicht wusste, was er sonst mit sich anfangen sollte. Selbst in den schlimmsten Augenblicken seines Lebens hatte es immer irgend etwas gegeben, für das er gebraucht wurde, und das machte die Dinge einfacher. Nun konnte er nicht kämpfen oder fortgehen oder helfen, nicht einmal am Bett sitzen und hoffen, wie er es vor so langer Zeit in Bruchtal getan hatte.
Rosies neunte Schwangerschaft (wenn man die zwei zu früh abgebrochenen nicht mitzählte) war von Anfang an anders gewesen. Während die anderen Babys ihr hübsches Gesicht gerundet und ihren Augen ein glückliches Leuchten verliehen hatten, wurde sie dieses Mal blass, müde und unleidlich. Während die Monate verstrichen, ging es ihr nicht besser, und in dunklen Augenblicken wünschten sich Sam und Frodo beinahe, die ganze Sache wäre endlich vorüber, auch wenn sie es niemals laut sagten.
Ich hoffe, es ist ein Mädchen. erklärte Klein-Rosie, wann immer jemand zuhören wollte. Mit braunen Haaren, wie ich. Es ist nicht gerecht, dass Ellyelle und Goldie und jetzt auch noch Margerite alle goldene Haare haben, bloß ich habe die gleiche Matschfarbe wie die Jungs.
Oh, still, Rosenrot, du wirst noch deine Mutter aufwecken, wenn du so weiterjammerst. Sam zog sie auf seine Knie. Du bist genauso hübsch wie deine Schwestern und ich bin sicher, du weißt das. Nebenbei, wenn du ein kleines bisschen älter bist, wirst du merken, dass die meisten Hobbits dunkle Mädchen mehr mögen als helle.
Ich hör die Frauen reden, wenn sie Obst pflücken und die Felder abernten. Sie sagen: Oh, diese Gärtnermädchen, allesamt Herzensbrecherinnen mit ihren gelben Haaren. Aber ich bin auch ein Gärtnermädchen und mein Haar ist nicht gelb.
Das macht dich zu etwas Besonderem, Dummerchen. warf Elanor ein, die mit der dicken kleinen Margerite auf dem Arm ins Zimmer trat. Du bist anders als die anderen.
Nicht mehr lange! Warts nur ab, das Baby wird genauso dunkel wie ich!
Die Monate zogen sich hin, und Rosie schien eher ihr Leben zu verlieren, als dass sie ein neues hervorbrachte. Und wann immer Frodo darüber zu reden versuchte, was er und Sam dachten, schüttelte Sam den Kopf und ging weg.
Lily, Rosies Mutter, und Marigold und Maie, zwei von Sams Schwestern, kamen, um den letzten Monat hindurch zu bleiben. Elanor wollte beim Wochenbett helfen, aber Sam und Frodo verboten es ihr. Es schien unwahrscheinlich, dass die Dinge gut ausgehen würden.
Und nun war die schicksalhafte Nacht gekommen, um Wochen zu früh, und Sam wanderte auf und ab, und Frodo saß neben der Schlafzimmertür mit Goldie und Hamfast auf seinem Schoß und versuchte, nicht schon zu verzweifeln, bevor überhaupt etwas passiert war. Sie erzitterten bei jedem Schrei, der drinnen zu hören war, bei jedem panischen Wortwechsel zwischen den drei Hebammen, und sie wünschten sich, die Schreie würden aufhören. Dann hörten sie auf, und die Stille war noch tausendmal schlimmer.
Endlich, als die Dämmerung anbrach und die Kinder zusammengedrängelt im Korridor dösten, kam das sanfte Maunzen einer neuen Stimme aus dem Schlafzimmer. Frodo und Sam fielen fast übereinander in ihrer Hast, die Tür aufzubekommen.
Das erste, was Sam sah, war Marigolds Gesicht, finster wie eine Gewitterwolke, die Augenbrauen zu einem harten V zusammengezogen. Er schwankte für einen Moment und fürchtete das Schlimmste, und das Blut wurde kalt in seinen Adern. Dann sah er seine Rosie, die schweißüberströmt und aufgelöst auf dem Bett lag. Die Laken unter ihr waren zerknittert und voll roter Flecken. Sie lächelte ihn an, und Sams schweres Herz hob sich in süßer Erleichterung.
Rosie hielt ein winziges Bündel in ihren Armen, kleiner, als je eines von den andern bei seiner Geburt gewesen war, aber nichtsdestoweniger vollkommen. Das kleine Gesicht war vor Verwirrung verzogen, Finger griffen ziellos in die Luft.
Lily und Maie hatten genauso versteinerte Gesichter wie Marigold, aber Frodo und Sam bemerkten es gar nicht, während sie den kleinen Jungen bestaunten. Schon jetzt ein tiefdunkler, dichter Haarschopf und delikat spitz zulaufende Ohren. Große, ganz unmöglich blaue Augen und ein winziger Bogen von einem Mund.
Er ist ganz sicher nicht ohne Kampf herausgekommen. sagte Rosie und hielt Sam und Frodo das Baby entgegen. Ich glaube, jetzt habe ich mir eine lange Ruhepause verdient.
Ja, Rosie, Süße, das hast du ganz sicher. sagte Sam mit einem weichen Lachen, als Frodo Rosie das Kind abnahm. Ich dachte, ich hätte dich verloren.
Rosie schnaubte. Was, soll ich etwa euch beiden die Aufzucht der Brut überlassen? Ein solches Schicksal würde ich unseren Kindern nicht wünschen.
Nun, und wie heißt er? schnappte Lily, die Arme verschränkt und das Gesicht ärgerlich verzogen.
Sam, sagte Frodo und strich eine Locke von babyfeinem Haar aus der kleinen Stirn. Sein Name ist Sam.
Maie stürmte aus dem Zimmer und knallte die Tür zu
womit sie Lily und Marigold zwang, sie wieder aufzureißen, als sie ebenfalls das Haus verließen. Über kurz oder lang würde ein Flächenbrand von Klatsch durch das ganze Auenland lodern, aber Sam, Rosie und Frodo hätten sich kaum weniger daraus machen können. Vom Zuknallen der Tür geweckt, rannten die Kinder hinein, um ihren neuen Bruder zu sehen.
Nicht noch ein Junge! jammerte Klein Rose enttäuscht. Oh
na ja, wenigstens ist sein Haar nicht so braun wie das von allen anderen.
Hallo, Sam. sagte Jung-Frodo und nahm seinem Namensvetter das Bündel ab. Ich hoffe, du magst uns.
Na klar tut er das! piepste Merry. Wir sind die beste Familie auf der ganzen Welt.
1435
Rosie erholte sich schnell genug von Jung-Sams Geburt, und im Herbst darauf bekam Klein-Rosie ihre dunkelhaarige Schwester; sie erhielt den Namen Primula, wurde aber Primelrose gerufen, damit die beiden zusammenpassten. Estella bekam eine wunderschöne Tochter, die sie Molly nannte, und Juweline brachte ein ähnlich liebliches Mädchen namens Meli zur Welt. Es war ein gutes Erntejahr. Der einzige dunkle Punkt in dieser Jahreszeit war Arky. Er wurde dünn und lustlos, dann legte er sich neben den Herd und stand nicht wieder auf.
Nun, nun
nicht weinen. tröstete Sam die Kinder. Er hatte ein paar gute Sommer und soviel Essensreste, wie er wollte, und wenn er Lust hatte, zu spielen, habt ihre jede Menge Stöckchen für ihn geworfen. Das ist alles, was ein gutes Haustier vom Leben verlangen kann, und mehr, als die meisten kriegen.
1441
Als Elanor eingeladen wurde, ein Jahr als Ehrenjungfrau der Königin in Gondor zu verbringen, war sie so glücklich, dass sie auf die Spitze des höchsten Baumes kletterte, den sie finden konnte und einen Freudenschrei losließ. Zu spät stellte sie fest, dass sie nicht so leicht wieder herunterkam. Ihre Brüder mussten ihr helfen, und sie riss sich den Rock an einem Knie auf, als sie unten landete.
Sie will von ganzem Herzen gehen, das ist mal sicher. überlegte Sam, als er abends mit Frodo und Rosie zusammensaß und etwas trank. Aber sie ist noch ein Kindskopf. Ich weiß nicht, ob es mich glücklich macht, sie für eine so lange Zeit allein weg zu lassen.
Warum geht Ihr beide denn nicht mit ihr? Macht doch mal Ferien!
Frodo hatte gerade erst ein neues Buch angefangen, diesmal die Geschichte von einem König, der ein Schwert aus einem Stein zog. Seine Finger waren voll schwarzer und purpurner Tintenspritzer.
Was ist mit dir, hast du darüber nachgedacht? Und mit den anderen Kindern? fragte Rosie.
Mach dir um uns keine Sorgen, wir kommen gut zurecht. Und Tolman kann eine Amtszeit als Bürgermeister übernehmen, während du weg bist, Sam. Du weißt, dass er seit Jahren sein Herz daran gehängt hat.
Ich weiß nicht
Sam schüttelte den Kopf.
Jetzt komm schon, wir haben davon geredet, Elanor die Welt zu zeigen, seit sie ein Baby war. Rose, glaubst du nicht, das ist eine gute Idee?
Das tu ich. Aber es ist ein weiter Weg und eine lange Zeit, um fort zu sein.
Nicht allzu weit, und auch nicht allzu lang. Elanor wird sich freuen, wenn ihr dabei seid.
Dein Bruder Tom hat schon eine Weile ein Auge auf meinen Posten geworfen. räumte Sam ein, an Rosie gewandt. Wenn du es möchtest, Rosenblume, dann machen wirs.
Rosie saß einen Moment tief in Gedanken versunken. Sie nahm einen Schluck Bier, und dann nickte sie.
Also gut.
1442
Onkel Frodo? Rosie spähte um den Rand des Türrahmens. Bist du sehr beschäftigt?
Nein, nein, komm rein, Klein-Rosie. Wie gehts dir? Frodo hielt einen Moment inne. Du riechst wie ein Orangenbaum.
Eigentlich Zitronen. Rosie schaute auf ihre Füße hinunter. Sie trug ein Kleid, das sie seit Jahren besaß. Es war ein bisschen zu kurz, aber in der Miedergegend passte es noch gut genug, denn verglichen mit den meisten Hobbits war Rose so schlank wie ein Weidenzweig. Unglücklicherweise hatte sie keinen Anlass, darauf stolz zu sein, denn Elanor war noch viel schlanker als sie. Und obwohl in den letzten Monaten die Blusen von Rose angefangen hatten, sich mit den gleichen, schwellenden Rundungen zu füllen, die auch ihre Mutter hatte, würde Goldlöckchen augenscheinlich noch viel runder und kurviger werden. Auf Rosies Rock war ein heller Baum gestickt; als sie jünger gewesen war, hatte sie nichts so sehr geliebt wie Geschichten von Ents und Entfrauen. Wenn sie jetzt auf Bäume kletterte, dann nur noch, um zu sehen, ob sie es besser konnte als ihre Geschwister.
Und
Frodos Mundwinkel kräuselten sich.
wieso riechst du nach Zitronen?
Pisi Pausbacken hat mir gesagt, dass die Haare hell werden, wenn man sich Zitronensaft hineinschmiert und sich in die Sonne setzt. Aber mir juckt bloß der Kopf davon. Rosie seufzte. Ich werde nie schön sein.
Wenn du hässlich bist, dann ist ,schön wirklich ein atemberaubender Anblick.
Oh, ich weiß, ich bin nicht unansehnlich. Rosie kauerte sich auf einem Stuhl zusammen und stützte das Kinn auf ihre Knie. Aber ich bin nichts Besonderes. Es gibt nichts an mir, das sämtliche Zungen in Bewegung setzt.
Nimm deine Füße von dem Kissen, oder ich erzähle sämtlichen Tratschbasen, was für ein riesiges Dummviech du bist. Du bist nie zufrieden! Wenn ich mich benommen hätte wie du, als ich jung war, dann hätte mich mein Onkel Goldstreuer mit dem Kopf ins Wasserfass getunkt. Im letzten Sommer hast du dich einen Monat lang geweigert, Speckkrusten zu essen, weil du dachtest, dass deine Haare davon so glatt würden wie ein Kettenhemd. Das ist kein Benehmen für jemanden in deinem Alter. Komm mal mit. Frodo gab ihr einen Klaps auf die Schulter und geleitete sie zur Tür. Ich habe eine Idee.
Sie gingen zu einem der hinteren Lagerräume, wo die Dinge aufbewahrt wurden, die sie von einem Jahr zum anderen nicht brauchten.
Ich wusste, sie ist noch hier. Frodo hielt einen länglichen Kasten hoch. Der Glanz der Politur war immer noch durch die Staubschicht sichtbar. Sie gehörte meiner Mutter; deine Schwester Primula hat ihren richtigen Namen von ihr.
Eine Fiedel? Rosie riss die Augen auf und hielt überwältigt den Atem an. Für mich?
Sie muss gestimmt werden, aber ja, sie ist für dich. Es sei denn, du möchtest deine Fähigkeiten im Sticken so verbessern, dass die Leute statt dessen darüber reden.
Stickerei pah! Jungs, die sich um so was kümmern, sind zu blöde für Worte. Ich wette, dir und Papa ist es völlig egal, ob Mama nähen kann.
Ah, darum geht es also. Das habe ich mir fast gedacht. Frodo lächelte sanft. Warum willst du denn unbedingt einen Verehrer haben? Du bist doch noch so jung.
Weil Goldie bald alt genug ist, dass die Jungs sie bemerken, und Elanor wird noch viel hübscher zurückkommen als sie fortgegangen ist. Das ist meine einzige Chance.
Rose. Frodo umarmte sie. Du dusseliges, dusseliges Geschöpf! Eines Tages wirst du dich in jemanden verlieben, der jedes einzelne Haar auf deinem Wirrkopf anbetet, und er wird dich zweimal so schön finden wie deine Schwestern.
Wenn du das sagt, dann glaube ich es beinahe. flüsterte sie. Komm jetzt, ich möchte den anderen meine Fiedel zeigen.
1443
Es ist nicht meine Schuld. sagte Margerite, das Kinn halb schmollend, halb trotzig hochgereckt.
Ach ja? Goldlöckchen hob eine Augenbraue. Ihre Locken tanzten hochmütig. Margerites eigenes Haar, an diesem Morgen noch so sorgfältig gebürstet, war ein chaotischer Wirrwarr mit halb herausgerissenen Bändern. Über ihre Nase zog sich eine Spur aus Zuckerguss, und ihre hübsche, kleine Unterlippe war gespalten und blutete. Ihr weißes Festkleid aus Musselin war allerdings makellos. Margerite nahm sich sehr in acht mit ihren Sachen.
Jung-Sams gutes Hemd und seine Hosen waren weit weniger glimpflich davongekommen; es gab einen Riss am Kragen und Dreck an den Knien. Eines seiner Augen war purpurn verfärbt und hatte sich geschlossen.
Nicht meine
sagte Margerite wieder, es ist die Schuld von Jemmie Lochner. Er hat Sammie ein kleines Ferkel genannt und einen Wechselbalg, und ein Dutzend noch schlimmerer Sachen. Ist mir doch egal, ob es sein Geburtstag ist, kein Hobbit redet so über meinen Bruder! Ich wünschte, ich hätte ihn noch öfter gehauen, bevor sie mich von ihm runtergezogen haben.
Nach dem, was ich gehört habe, hast du genug angerichtet. Jung- Jemmie hat zwei Zähne verloren und sich einen Finger gebrochen. sagte Rosie, die mit einem kalten Tuch hereinkam, das sie auf Jung-Sams Auge drückte. Und wieso müsst ihr überhaupt alle beide auf ihn losgehen? Erst springt Margerite auf ihn drauf, und dann schlägert der kleine Sam auch noch munter mit. Ihr seid einer schlimmer als der andere.
Er hatte kein Recht, solche Sachen zu sagen. schniefte Margerite und gleichzeitig schrie Sam: Er hat sie gehauen! Dafür musste ich ihn mir einfach vornehmen!
Nicht einmal Goldie konnte ihr Grinsen verbergen, während sie Margerites Lippe reinigte.
In Zukunft lacht ihr einfach über die dummen Sachen, die die Leute sagen, in Ordnung? Dann seid ihr am Ende weit weniger zerbeult.
Er ist ein ekliger
Irgendwas! grummelte Margerite. Jung-Sam lehnte sich zu ihr hinüber und küsste sie auf die Wange.
Du bist die beste Schwester von allen, Margie. sagte er leise. Sie umarmte ihn und verstrubbelte sein dunkles Haar.
1449
Es hatte schon vorher schlimme Winter gegeben, wie in dem Jahr, als Ham, Merry und Goldie sich innerhalb von zwei Tagen gegenseitig mit Husten ansteckten und drei Wochen auf der Nase lagen, oder als die Feuchtigkeit jedermann krank und erschöpft machte. Aber der Winter von 1449 war schlimmer als alle anderen zuvor, und er schien sich eine Ewigkeit hinzuziehen. Keines der Gärtnerkinder würde dieses Jahr jemals vergessen, nicht einmal Tom, der zu dieser Zeit erst sieben war.
Das Jahr hatte gut genug angefangen; Fastred machte Elanor einen Heiratsantrag und Primelrose gewann mit ihrem Gebäck einen Wettbewerb. Dann, im März, wurde Frodo krank. Das geschah ziemlich häufig, aber diesmal konnte er die Krankheit nicht mehr abschütteln. Den ganzen April und Mai hindurch hielt er sich abseits. Er war teilnahmslos; seine Bücher setzten Staub an und eine Schachpartie, die er mit Rubinie angefangen hatte, blieb unvollendet. Sam und Rosie taten, was sie konnten, aber nichts befreite ihn aus der Finsternis, in der er gefangen war.
Obwohl sich Frodos Stimmung ein wenig aufhellte, als der Juni begann, schwand seine Gesundheit dahin, und er blieb blass und fiebrig.
Werden wir weggeschickt? fragte Robin Jung-Frodo und versuchte, zu überhören, dass seine Mutter in der Diele weinte. Wie meine Freundin Catrie, als ihre Mama krank war?
Nein. Catries Mama hatte Scharlachfieber. Das, worunter Onkel Frodo leidet, wird nicht besser durch frische Luft und besonderes Essen. Es kommt aus seinem Inneren. antwortete Jung-Frodo.
Wird er sterben?
Ich weiß nicht, Robin, ich weiß nicht.
Im Juli belauschte Elanor ihre Eltern bei einem leisen Gespräch; sie wachten über Frodo, während er schlief. Sie redeten von Elbenschiffen, die davonsegelten, und davon, zu dritt übers Meer zu gehen. Aber nicht alle Kinder waren alt genug, um sie zurückzulassen, noch nicht, und die Zeit würde ihnen vielleicht später nicht die selben Möglichkeiten geben, die sie jetzt hatten.
Ich werde hierbleiben. sagte Rosie und strich Frodo das Haar aus der Stirn. Ihr geht, Sam, du und Frodo. Lass ihn heil werden. Ich werde unsere Kleinen großziehen und ihnen alle unsere Geschichten erzählen.
Nein! Elanor schrie auf, rannte hinein und umarmte ihre Eltern mit aller Kraft, wobei sie sich Mühe gab, Frodo nicht aufzuwecken. Ich zieh die Kleinen groß, Mama. Du weißt, ich kann das, zusammen mit Fastred.
Nicht doch, Entchen, du hast dein eigenes Leben.sagte Rosie. Dies hätte dein Jahr sein sollen, El, zum Träumen und zum Planen. Es tut mir leid, dass alles so gekommen ist.
Das ist doch Froschrotz! Fastred ist noch nicht meine Familie, und Fo wird es immer sein. Also ist dieses Jahr ganz genauso, wie ich es haben wollte, und ihr drei seid das Allerwichtigste für mich. Obwohl ich ihm natürlich nie diese Krankheit gewünscht hätte
Keiner von uns hätte das, El. sagte Sam mit müder Stimme.
Margerite und Prim versuchten Frodo zu helfen, in dem sie seinen Platz am Esstisch vor den Mahlzeiten mit Vasen voller frischer Blumen schmückten. Sie legten die besten Messer und Löffel für ihn heraus. Niemand fing einen Streit an, und sie benahmen sich alle so sanft wie kleine Kätzchen. Auf diese Weise waren der August und der September beinahe friedevoll.
Aber als das Wetter abkühlte, wurde Frodo von einem Fieber befallen, das ihn in einem ständigen Halbschlaf hielt. Die Kinder mussten zu Tante Marigold und Onkel Tom, was keinem von ihnen gefiel.
Sie sagt, ich bin so dürr wie ein totes Pony. stöhnte Elanor.
Ich muss beim Schreinern und bei der Aussaat helfen, und bei der Weißwäsche auch noch. meckerte Hamfast.
Die geben uns nie ein zweites Frühstück! jammerte Merry.
Sie zwicken Sammie. sagte Margerite flehend.
Lass uns dableiben, Papa! klagten sie im Chor, als er sie den Hügel hinunterbrachte.
Still! In einem Monat seid ihr wieder zurück, und dann sind die Dinge entschieden, zum Guten oder zum Bösen.
Robin umarmte Sam. Wir werden stark sein, Papa. Sag Mama und Onkel Frodo, dass wir sie lieb haben, und dich haben wir auch lieb. Wir wollen, dass es ihm besser geht.
Das weiß ich doch, Robin, das weiß ich doch.
Sie ertrugen den Besuch, so gut sie eben konnten. Primelrose und Hamfast stellten sicher, dass einer von ihnen immer mit Margerite zusammen war, damit sie keine Chance hatte, sich mit ihrem Onkel oder ihrer Tante anzulegen. Die Art, wie sie ihren Sammie behandelten, zerriss sie beinahe.
Marigolds giftige Abscheu für die Familie ihres Bruders hatte sich im Lauf der Zeit leicht gemildert, und sie liebte inzwischen nicht wenige aus dem Rudel, das Tantchen zu ihr sagte. Jung-Sam allerdings bekam den Stachel ihrer Abneigung zu spüren, genauso wie Elanor und Margerite. Die beiden trugen schwer an der Last der Hausarbeiten, die sie ihnen auflud.
Goldie vertrieb sich die Zeit, in dem sie mit dem Lehrjungen ihres Onkels schäkerte; dann fühlte sie sich schuldig und verbrachte lange Stunden damit, schmalzige Briefe an das halbe Dutzend von Bewunderern zu verfassen, das sie hinter sich herzog wie Anhänger an einem Halsband.
Merry, Pippin, Frodo und Bilbo verbrachten mit Robin und Tom im Schlepptau die Tage so weit weg von ihrem engen Zimmer wie möglich. Sie strolchten überall herum auf der Suche nach Abenteuern. Rubinie blieb für sich und sah mit ihren wunden, geröteten Augen ständig so aus, als hätte sie geweint.
Rosie schlief lange und überhörte die Namen, mit denen ihr Onkel sie bedachte, Namen wie Faulpelz, Schlafmütze und Nichtsnutz. Sie blieb bis weit in die Nacht auf und starrte hinaus zu den Lichtern von Beutelsend, oben auf dem Hügel. Ihre Brüder und Schwestern setzten sich immer wieder ein Weilchen zu ihr, dann gingen sie zu Bett, aber Rosie wurde ihren Beobachtungsposten nie müde.
Dann, als ihr Aufenthalt in die dritte Woche ging, waren oben in Beutelsend keine Lichter mehr zu sehen. Diesmal blieben die Kinder in der Nacht alle wach und wanderten sorgenvoll auf und ab (allerdings so leise wie möglich, um ihren Onkel und ihre Tante nicht zu wecken).
Was bedeutet das, El?
Ich weiß es nicht, Robin, ich weiß es nicht.
Mit einer Stimme, die so weich war wie ein Kuss, begann Rose ein Wiegenlied zu singen, mit dem ihr Vater sie früher von Zeit zu Zeit beruhigt hatte.
Im hellen Westen blüht es schon
Auf Bäumen knospenschwer,
Die Finken üben ihren Ton,
Wild strömt der Bach einher.
Primelrose kam zu ihr, setzte sich neben sie und nahm die Melodie auf.
Vielleicht auch steht die klare Nacht
Den Buchen ins Gezweig
Ham, Margerite, Jung-Sam, Bilbo und Elanor sangen jetzt auch.
Hat ihnen Sterne zugedacht
Als elbisches Geschmeid.
Alle Kinder, auch die, die eigentlich keine Kinder mehr waren, sangen gemeinsam mit leiser Stimme. Das war etwas, das sie üblicherweise nie getan hätten, aber in dieser Nacht und in diesem Zimmer fühlte es sich irgendwie richtig an.
Führt mich der Weg durch diese Welt
Auch tief in Dunkelheit
Von starken Türmen fest umstellt
Und Bergen hoch und weit
Die Sonne zieht doch ihre Bahn,
der Stern den milden Lauf,
solang der Tag noch nicht vertan,
geb ich den Sieg nicht auf.
Wir sitzen und gedenken dein,
du hast den Schritt gewandt
auf Wegen, alt und lang vertraut
fort in ein fernes Land.
Du hast uns stets, an jedem Tag
Das Leben froh gemacht
Mit sanfter Stimm und ruhiger Hand,
nun aber sinkt die Nacht.
Hier sitzen wir, das Herz verzagt,
du zogst so weit hinaus
Oh Frodo, hör doch unseren Ruf
und komm zu uns nach Haus.
Führt uns der Weg durch diese Welt
auch tief in Dunkelheit
Von starken Türmen fest umstellt
Und Bergen hoch und weit:
Die Sonn zieht weiter ihren Lauf
Die Sterne strahlen licht
Wir geben diesen Tag nicht auf,
uns bleibt die Zuversicht.
Es schien nichts zu geben, was man noch sagen konnte, also gingen sie schlafen.
Margerite war die erste, die am Morgen danach erwachte. Sie überlegte, ob sie sich nicht so viel Ruhe gönnen sollte, wie sie kriegen konnte, bevor jedermann munter wurde. Aber ihre Neugier trug den Sieg davon. Sie beschloss, Sammie zu wecken und sich ein Extrafrühstück zu holen, denn Marigold war ihnen gegenüber immer geizig, wenn es ums Essen ging.
Sie rüttelte ihn wach und legte einen Finger auf die Lippen, damit er begriff, dass er still sein sollte. Bilbo rührte sich auch und sie luden ihn ein, mitzukommen.
In der Speisekammer fanden sie getrocknete Apfelschnitze; jeder schnappte sich zwei Handvoll davon, dann setzten sie sich auf die Vordertreppe, um ihre Beute zu verspeisen.
Papa! kreischte Bilbo und ließ die Obststücke fallen, während er den Weg hinunter zu seinem Vater rannte. Sam hatte offensichtlich eine Weile nicht geschlafen, seine Augen waren dunkel und seine Haut bleich, aber er lächelte, als er Bilbo in seinen Armen auffing.
Er ist wach. Er sagte es Margerite und Jung-Sam, bevor sie auch nur fragen konnten. Ihr Hurrageschrei war laut genug, um den ganzen Haushalt aufzuwecken.
Was ist los? wollte Marigold wissen, die, nur mit einem Hemd bekleidet, zur Tür herausgerannt kam.
Frodo ist wach! schrien die Kinder. Marigold entfuhr ein riesiger Seufzer, und sie umarmte ihren Bruder so fest, dass sich Bilbo aus dem Weg winden musste, um nicht zerdrückt zu werden.
Sie wollten keinen Augenblick länger warten und rannten in ihren Nachtkleidern nach Hause, mit hastig umgelegten Schals, die in all der Eile immer wieder herunterrutschten.
Frodo! Frodo! Die kleineren Kinder sprangen zu ihm aufs Bett und bedeckten sein Gesicht mit Küssen.
Meine kostbaren Lieblinge, ich habe euch alle so vermisst! Frodo erwiderte ihre Küsse und winkte auch die Älteren herbei, damit sie sich auch auf sein Bett setzten.
Wir haben letzte Nacht für dich gesungen, hast du uns gehört?
Ich weiß es nicht, Robin, ich weiß es nicht. Vielleicht. Ich war sehr verloren. Ich wusste nicht einmal mehr, ob ich meinen Weg zurück je finden würde. Aber eure Mammi Rose und Sam-Papa haben mir vor langer Zeit das Versprechen abgenommen, sie nicht zu verlassen, also habe ich so lange nach dem Heimweg gesucht, bis ich ihn gefunden hatte.
In Elanors Augen stach es und ihr Herz tat weh bei Frodos Anblick so erschöpft, das Gesicht zerfurcht und die Wangen eingesunken. Er küsste sie und strich ihr über das Haar, und er lächelte, um ihr zu zeigen, dass es so schlimm nicht war.
Der Winter war kaum zu spüren, das Wetter war sonnig und nur wenig kalt. Frodo blieb in dem großen Bett, und das Zimmer entwickelte sich zum Mittelpunkt des gesamten Haushaltes. Tom lernte lesen, während er neben dem Fenster saß und kleine Stückchen von Geschichten und Gedichten für Frodo zitierte und für jeden, der gerade in der Nähe war. Es war, als ob die Jahreszeit sich niemals ändern würde.
Dann, in der letzten Nacht vor dem Altjahrsabend, wurde das ganze Auenland schneeweiß verhüllt. Die Kinder stürzten ins Freie, bauten Festungen und zettelten Kriege an.
Du warst seit Wochen nicht mehr draußen. betonte Sam, die Arme verschränkt, als Frodo sich ihnen anschließen wollte. Nie und nimmer gehst du in diese Kälte, gar keine Frage.
Komm schon, Sam, eine Schneeballschlacht. Du, ich, Rose und die Kinder.
Oh nein, mich kriegst du da nicht hinaus. warf Rosie ein. Immerhin muss ich ein Festessen kochen. Geht spielen, ihr ewig unreifen Milchbärte. Ich habe Glühwein und heiße Schokolade für euch, wenn ihr wieder reinkommt.
Ich will aber nicht Krieg spielen. schniefte Rubinie. Ich mach Schneebabys. Sie heißen Holly und Efeu, richtig hübsche, kleine Eismädchen.
Daraufhin bewarf Bilbo sie mit einer Handvoll Schneematsch, und mit einem Schrei der Entrüstung jagte sie hinter ihm her.
Sie bildeten zwei Mannschaften; die Mädchen und Sam waren in einen Lager. Sie versteckten sich hinter einer hastig halb aufgerichteten Mauer, um den Angriff von Frodo und den Jungs abzuwehren. Marigold und Tom kamen an; Elanor, Goldie und Rose folgten ihnen hinein.
Ich mach vor dem Mittagessen noch ein kleines Nickerchen am Feuer. erklärte Tom und tippte sich zur Begrüßung an den Hut.
Faulpelz
sagte Klein-Rosie leise. Onkel Tom lachte laut und fröhlich und gab ihr ein Kaubonbon, bevor sie wieder nach draußen rannte, um sich den anderen anzuschließen. Marigold fing an, Rosie bei den Essensvorbereitungen zu helfen, aber als Ellie und Goldlöckchen das selbe tun wollten, scheuchte ihre Mutter sie mit einem Geschirrtuch weg.
Raus! Zu viele Köche verderben den Brei!
Brei? Goldie zog ein Gesicht. Ich will keinen Brei! Ich will Kürbiskuchen, und Lammkeule mit Minzsoße und Törtchen mit Erdbeermarmelade.
Dann verschwindet und lasst uns arbeiten. schnappte Marigold, und die Mädchen erinnerten sich nur zu gut daran, wie giftig ihre Tante sein konnte
gut genug jedenfalls, um sich nicht allzu sehr auf ihre Freundlichkeit zu verlassen.
Sie gingen beide an die Vorderfenster, um den Schneespielen zuzusehen.
Schau! Da kommen Meli und Molly und ihre Leute! rief Primelrose, als Merry und Pippin mitsamt Estella, Juli, Boromir und Faramir über den Hügel kamen. Die beiden Mädchen rannten voraus, in zu großen, rotgrünen Mänteln.
Sam und Prim rannten ihnen entgegen. Frodo rief: Kriegsrat!" und versammelte auch noch die ganze Mädchenhorde um sich; sie bereiteten einen gestaffelten Angriff auf die näher kommenden Besucher vor. Goldie seufzte und wandte sich Elanor zu.
Er wird nie gesund werden, das weißt du.
Er ist gesund genug.
Oder kräftig.
Er ist kräftig genug.
Oder glücklich.
Jetzt grinste Elanor und riss ihren Blick von Frodo los, der in ernstem Ton mit den Kindern sprach. Er ist glücklich genug, Goldie. Und geliebt genug. Das kannst du nicht abstreiten.
Also gut, er ist glücklich und er wird geliebt. Aber das gibt ihm seine Gesundheit nicht zurück und schenkt ihm auch nicht mehr Jahre für die Zukunft. Du kannst genauso gut sehen wie ich, dass er nicht lange leben wird.
Lange genug. Elanor nickte; ihre Finger spielten mit der dünnen Kette, die um ihren Hals hing. Ich weiß nicht, woher ich das weiß, Goldie, aber ich habe die Geschichte fix und fertig im Kopf. Sie endet mit einem ,Glücklich für immer und ewig, mein Herz weiß es ganz sicher.
Niemand ist glücklich für immer und ewig.
Möglich, aber es ist so nahe dran, dass man den Unterschied sowieso nicht mehr bemerkt. Und das ist genug.
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